September 6, 2025

Nati­ve Ame­ri­can Fashion: From Roots to Run­way

Rezen­si­on einer Aus­stel­lung
im Världs­kul­tur­mu­seet (The Muse­um of World Cul­tu­re)
in Göte­borg, Schwe­den

Ein halb­dunk­ler Saal. Auf­ge­reg­tes Gemur­mel des Publi­kums. Hel­le Schein­wer­fer zen­trie­ren die Auf­merk­sam­keit auf den Lauf­steg, atmo­sphä­ri­sche Musik bran­det auf. Künst­le­ri­sche Pro­jek­tio­nen tan­zen über die Wän­de und die War­ten­den. Das ers­te Model betritt den Lauf­steg. Blitz­licht­ge­wit­ter.

Die­ses Sze­na­rio ist auch abseits der Fashion-Sze­ne durch­aus ver­traut: Seit Jahr­zehn­ten wer­den Jahr für Jahr neue Staf­feln von Model-Cas­ting­shows pro­du­ziert. Die Wer­be­indus­trie ist voll von Bil­dern schö­ner Men­schen in neu­es­ten Out­fits und Models auf den Lauf­ste­gen der Metro­po­len. Die gro­ßen Shows schaf­fen es sogar hin und wie­der in all­täg­li­che Nach­rich­ten­sen­dun­gen. Wenn das Stich­wort „Mode“ fällt, wer­den Orte wie Mai­land und Paris, New York oder Ber­lin; Namen wie Coco Cha­nel, Gior­gio Arma­ni, Don­natel­la Ver­sace, Karl Lager­feld oder Miuc­cia Pra­da asso­ziert. An Indi­ge­ne denkt bei „Fashion“ wohl kaum jemand.

Zuge­ge­bener­wei­se: Auch ich nicht — bis­her.

Ich bin zwar auch pri­vat kei­ne Fashio­nis­ta, aber ich ver­su­che up to date zu blei­ben, was so auf der Welt pas­siert und ver­fü­ge über ein ganz gutes All­ge­mein­wis­sen. Und: Ich inter­es­sie­re und beschäf­ti­ge mich seit mei­nem 10. Lebens­jahr mit den Indi­ge­nen Nord­ame­ri­kas, habe Anthro­po­lo­gie stu­diert und für mei­ne Diplom­ar­beit in Kana­da geforscht. Ich bin nun schon seit eini­ger Zeit aktiv bei AKIN (Ver­ein Arbeits­kreis India­ner Nord­ame­ri­kas in Wien). Eines mei­ner Haupt­an­lie­gen in der The­ma­tik ist das Auf­zei­gen aktu­el­ler indi­ge­ner Lebens­rea­li­tä­ten und das Erwei­tern von Per­spek­ti­ven jen­seits von Kli­schees und rein his­to­ri­scher, ver­staub­ter Bil­der. Ich weiß Bescheid über die Viel­falt indi­ge­ner Kul­tu­ren – auch im Beklei­dungs­stil. Den­noch war mir bis­her nicht bewusst, dass es eine akti­ve und erfolg­rei­che indi­ge­ne Mode­sze­ne gibt. War­um auch nicht? Schließ­lich ergrei­fen Indi­ge­ne heu­te alle erdenk­li­chen Beru­fe und sind dort erfolg­reich. War­um also nicht in der Mode­bran­che?

Jeden­falls war ich begeis­tert, als ich auf Urlaub in Göte­borg, Schwe­den, zufäl­lig ein Wer­be­pla­kat zur Aus­stel­lung „Nati­ve Ame­ri­can Fashion: From Roots to Run­way“ ent­deck­te.

Plakat der Ausstellung Native American Fashion: From Roots to Runway

Pla­kat der Aus­stel­lung „Nati­ve Ame­ri­can Fashion: From Roots to Run­way“, The Muse­um of World Cul­tu­re, Göte­borg / Schwe­den

Mei­ne Neu­gier war sofort geweckt und zwei Tage spä­ter stand ich des­halb nicht nur selbst vor dem Världs­kul­tur­mu­seet, son­dern hat­te auch noch drei Vier­tel unse­rer Rei­se­grup­pe ange­steckt. Wir lie­ßen das Stan­dard­pro­gramm eines Schwe­den­ur­laubs – Kanel­bullar, Wikin­ger, Astrid Lind­gren und Elche – für einen Tag bei­sei­te und tauch­ten ein in die beein­dru­cken­de Welt indi­ge­ner Modedesigner:innen.

Ausstellung "Native American Fashion: From Roots to Runway" im Världskulturmuseet

Aus­stel­lung „Nati­ve Ame­ri­can Fashion: From Roots to Run­way“ im Världs­kul­tur­mu­seet (The Muse­um of World Cul­tu­re) in Göte­borg, Schwe­den

Da ich kein Bild von der heu­ti­gen indi­ge­nen Mode­sze­ne hat­te, betrat ich die Aus­stel­lung ohne spe­zi­fi­schen Erwar­tung. Nach dem Besuch hat­te ich nicht nur mei­nen Hori­zont erwei­tert, vie­le span­nen­de Infor­ma­tio­nen gele­sen und einen Kopf voll wir­beln­der Bil­der und Ein­drü­cke, son­dern auch vier beson­de­re Grün­de, war­um die­se Aus­stel­lung unbe­dingt einen Besuch wert ist. Die­se möch­te ich hier mit Ihnen tei­len:

1. App­re­cia­ti­on vs. Appro­pria­ti­on — Ein Knig­ge für die indi­ge­ne Mode­welt

In den letz­ten Jah­ren gab es online und off­line vie­le Kon­tro­ver­sen bzgl. der (poli­tisch) kor­rek­ten Ver­wen­dung von Begrif­fen, aber auch von Fri­su­ren, Musik und Beklei­dung von Eth­ni­en und Min­der­hei­ten. Dem­entspre­chend stellt sich auch hier die Fra­ge: Darf ich denn nun indi­ge­ne Mode tra­gen als Mensch ohne indi­ge­ne Wur­zeln? Die Aus­stel­lung lässt die Besucher:innen hier nicht hän­gen oder im Dunk­len tap­pen und wid­met der Fra­ge gleich zu Beginn ein eige­nes Panel. Unter der Über­schrift „Cul­tu­ral App­re­cia­ti­on vs. Appro­pria­ti­on“ wer­den Ant­wor­ten gege­ben:

„Can Non-Nati­ve peo­p­le wear Nati­ve fashion? The simp­le ans­wer is yes – when done with respect.“

Die Aus­stel­lung klärt anschlie­ßend aber über den wich­ti­gen Unter­schied zwi­schen „App­re­cia­ti­on“ und „Appro­pria­ti­on“ auf: 

Wer indi­ge­ne Mode kauft und trägt und dabei die Kunst­fer­tig­keit, Krea­ti­vi­tät, Kul­tur und Geschich­ten, die die­se Klei­dungs­stü­cke erzäh­len, respek­tiert, der schätzt indi­ge­ne Mode wert – „App­re­cia­ti­on“ fin­det statt.

Wer hin­ge­gen fälsch­li­cher Wei­se eine indi­ge­ne Iden­ti­tät vor­gibt, sakra­le oder zere­mo­ni­el­le indi­ge­ne Klei­dung im All­tag trägt oder von Labels kauft, die indi­ge­ne Ästhe­tik kopie­ren ohne die Com­mu­ni­ties oder die Künstler:innen um Erlaub­nis zu fra­gen oder sie zu ent­schä­di­gen, der beu­tet Indi­ge­ne aus und eig­net sich unrecht­mä­ßig deren intel­lek­tu­el­les Eigen­tum an. Dann han­delt es sich um „Appro­pria­ti­on“. 

Die Kurator:innen der Aus­stel­lung ermu­ti­gen bewusst Besucher:innen authen­ti­sche Mode indi­ge­ner Designer:innen zu tra­gen, die­se so zu unter­stüt­zen und bekann­ter zu machen, sowie ehr­li­chen Respekt gegen­über indi­ge­nen Kul­tu­ren und der Krea­ti­vi­tät indi­ge­ner Designer:innen zu zei­gen.

2. Basic Facts — Indi­ge­ne Kul­tu­ren für Dum­mies

Die Aus­stel­lung im Världs­kul­tur­mu­seet ist kom­pe­tent, pro­fes­sio­nell und fach­kun­dig kura­tiert, schafft es aber den­noch, sehr nie­der­schwel­lig zu sein. Wenn ich mit mei­nem Part­ner, Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen oder Freund:innen bis­her Aus­stel­lun­gen zu indi­ge­nen The­men besucht habe, erhielt ich oft das posi­ti­ve Feed­back, dass mein zusätz­li­ches Wis­sen den Besuch erst rich­tig span­nend mach­te bzw. not­wen­dig war, um Hin­ter­grün­de zu ver­ste­hen. Nicht so die­ses Mal.

In der Aus­stel­lung wer­den immer wie­der „Basic Facts“ über Indi­ge­ne Nord­ame­ri­kas prä­sen­tiert – zwi­schen­durch und unauf­fäl­lig, aber dort wo und im not­wen­di­gen Aus­maß, um ein brei­tes Publi­kum nicht nur anzu­spre­chen, son­dern auch wei­ter­zu­bil­den.

So wird etwa gleich zu Beginn erwähnt, wie vie­le Stäm­me bzw. Indi­ge­ne Natio­nen es heu­te in den USA und Kana­da gibt. Es gibt eine gro­ße Schau­ta­fel mit einer Land­kar­te, die die gro­ßen Kul­tur­räu­me zeigt und den Begriff „Turt­le Island“ (indi­ge­ne Bezeich­nung für Nord­ame­ri­ka) erklärt. So wird auf die gro­ße Viel­falt indi­ge­ner Kul­tu­ren hin­ge­wie­sen – es gibt eben viel mehr India­ner als nur die­je­ni­gen mit Feder­schmuck auf Bison­jagd. 

Landkarte "Turtle Island" im Rahmen der Ausstellung

Land­kar­te „Turt­le Island“ im Rah­men der Aus­stel­lung

Es wird außer­dem geklärt, wer sich als Nati­ve Desi­gner bezeich­nen darf: Ange­hö­ri­ge eines auf staat­li­cher Ebe­ne aner­kann­ten Stam­mes, die zusätz­lich durch einen Stam­mes­rat zer­ti­fi­ziert sind. Auch bei ein­zel­nen Expo­na­ten gibt es immer wie­der Erklä­run­gen: Was ist ein Pow Wow? Wer sind die Anis­hi­naa­be? 

Da vor allem indi­ge­ne Street­wear oft sehr poli­tisch ist, wird ein Abriss der Geschich­te indi­ge­nen Wider­stan­des gege­ben mit einem Schwer­punkt auf dem 20. Jahr­hun­dert und der Gegen­wart. Das The­ma der „Miss­ing and Mur­de­red Indi­ge­nous Women“ wird ange­spro­chen und Hin­ter­grün­de erläu­tert. Es gibt auch his­to­ri­sche Expo­na­te, die die Kunst­fer­tig­keit indi­ge­ner Kul­tu­ren im Lauf der Geschich­te zei­gen und Zita­te und Bezü­ge moder­ner Designer:innen in ihren Kol­lek­tio­nen offen­le­gen und ver­ständ­lich machen. So wer­den vie­le unter­schied­li­che Mokas­sins gezeigt, aber am Ende der Vitri­ne sind ver­schie­de­ne „spe­cial edi­ti­ons“ moder­ner Sport­schu­he und Snea­k­ers von indi­ge­nen Designer:innen in Zusam­men­ar­beit mit bekann­ten Mar­ken zu sehen. 

Die­se Art, Hin­ter­grund­wis­sen und Kon­text nahe­zu bei­läu­fig zu ver­mit­teln, hat mir sehr gut gefal­len. So manche:r Fashio­nis­ta weiß nach einem Besuch der Aus­stel­lung nun eben auch gar nicht so weni­ge „Basic Facts“ über Indi­ge­ne Nord­ame­ri­kas – abseits von gän­gi­gen Kli­schees.

3. An Exhi­bi­ti­on in Dia­lo­gue — Zusam­men­ar­beit auf Augen­hö­he

Es wird durch­gän­gig ver­mit­telt und betont, dass es sich hier nicht um eine Aus­stel­lung über, son­dern um eine Aus­stel­lung mit Indi­ge­nen han­delt.

Gleich am ers­ten Panel wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Aus­stel­lung im Dia­log mit vie­len Designer:innen und Expert:innen aus den USA und Kana­da kura­tiert wur­de. In der Aus­stel­lung kom­men vie­le Designer:innen per­sön­lich in Vide­os zu Wort. Ihre Labels wer­den nicht nur durch die aus­ge­stell­ten Out­fits, son­dern auch mit­tels Pla­ka­ten mit wei­ter­füh­ren­den Infor­ma­tio­nen vor­ge­stellt.

Vie­le Out­fits wur­den für die Aus­stel­lung vom Muse­um erwor­ben und am Ende wer­den noch­mals alle Designer:innen, die in der Aus­stel­lung vor­kom­men, nament­lich mit ihrer Stam­mes­zu­ge­hö­rig­keit erwähnt.

4. Street­wear — Mode für Nor­mal­sterb­li­che

Mein letz­tes Argu­ment, war­um die­se Aus­stel­lung so gelun­gen ist, ist ein wenig ego­zen­tri­scher: Ein Teil der Aus­stel­lung wid­met sich nicht der High Fashion, son­dern Street­wear. Dies ist span­nend, da die indi­ge­ne Street­wear-Sze­ne sehr poli­tisch und akti­vis­tisch ist und die Out­fits daher inhalt­lich sehr inter­es­sant, krea­tiv und oft auch sehr humor­voll sind. Aber es macht auch die Auf­for­de­rung, indi­ge­ne Mode zu kau­fen, die indi­ge­ne Mode­sze­ne auf die­sem Weg zu unter­stüt­zen und sie durch das Tra­gen bekannt zu machen, tat­säch­lich mög­lich. Die meis­ten Besucher:innen befin­den sich ver­mut­lich nicht in Gehalts­klas­sen, die das Erwer­ben von Out­fits frisch vom Lauf­steg ermög­li­chen. Street­wear ist hin­ge­gen leist­bar. Gleich im Muse­ums­shop gab es z.B. T‑Shirts und Taschen von einem der vor­ge­stell­ten Street­wear-Labels. Und somit bin nun auch stol­ze Besit­ze­rin authen­ti­scher Nati­ve Fashion:

Die Autorin Monika Gamillscheg mit Native Streetware

Die Autorin Moni­ka Gamill­scheg mit Nati­ve Street­wear: Shirt von Jere­my Arvi­so (Nava­jo und Hopi) mit dem Label „The Ori­gi­nal Land­lords“.

Da mir bewusst ist, dass nicht jede:r Leser:in in den nächs­ten Mona­ten die Gele­gen­heit haben wird, eine Aus­stel­lung in Schwe­den zu besu­chen, möch­te ich abschlie­ßend drei Expo­na­te vor­stel­len, die ich beson­ders beein­dru­ckend fand und Ihnen so zumin­dest einen klei­nen digi­ta­len Ein­blick in die Aus­stel­lung „Nati­ve Ame­ri­can Fashion: From Roots to Run­way“ ermög­li­chen:

Ich mag Kunst­ob­jek­te, die ich ver­ste­hen kann, aber die mich trotz­dem über­ra­schen, die einen Aha-Effekt erzeu­gen und mich zum Schmun­zeln brin­gen. Gern zie­he ich dann den Hut vor einem genia­len Ein­fall oder bin schwer beein­druckt, von der Ein­fach­heit einer unglaub­lich krea­ti­ven Idee.

Outfit aus Raumschiffe-Folie, Designerin Wendy Ponca (Osage)

Out­fit aus Raum­schiff-Folie, Desi­gne­rin Wen­dy Pon­ca (Osa­ge)

Die­ses Out­fit der Osa­ge-Desi­gne­rin Wen­dy Pon­ca wur­de aus der Folie her­ge­stellt, die nor­ma­ler­wei­se in Raum­schif­fen für Mis­sio­nen ins Welt­all ver­wen­det wird. Die Schöp­fungs­my­the der Osa­ge erzählt, dass ihr Volk der Ehe der „Earth Peo­p­le“ mit den „Sky Peo­p­le“ ent­stammt. Durch die Ver­wen­dung des spe­zi­fi­schen Mate­ri­als und des futu­ris­ti­schen Designs stellt die Desi­gne­rin die Ver­bin­dung zu ihren mythi­schen Wur­zeln ästhe­tisch her. Eigent­lich ein­fach, aber sehr cool.

Indi­ge­ne Kul­tu­ren gibt es nicht nur in Nord­ame­ri­ka. Bei einer Rei­se auf die Phil­ip­pi­nen ver­brach­te ich eini­ge Tage bei den dor­ti­gen indi­ge­nen Igo­rot in der Cor­dil­lera und lern­te, dass sich die Geschich­te indi­ge­ner Eth­ni­en oft über­ra­schend ähnelt und dass ihre heu­ti­gen Pro­ble­me und Her­aus­for­de­run­gen oft die­sel­ben sind, egal wo sie leben.

Designer The Son of Picasso aka Ben Nelson (Kiowa, Diné, Taos Pueblo)

Desi­gner The Son of Picas­so aka Ben Nel­son (Kio­wa, Diné, Taos Pue­blo)

Die­ses Out­fit sieht aus wie aus einem japa­ni­schen Ani­me- oder Man­ga-Comic. Dies ist nicht ohne Grund so: Der indi­ge­ne ame­ri­ka­ni­sche Künst­ler und Desi­gner The Son of Picas­so aka Ben Nel­son (Kio­wa, Diné, Taos Pue­blo) fokus­siert sich mit sei­ner Mar­ke „Pro­ducts of my Envi­ron­ment“ auf Nach­hal­tig­keit, Wie­der­ver­wen­dung, Recy­cling und ethi­sche Her­stel­lung von Mode.
Die­ses Out­fit heißt „Vir­gin Mary“ und nimmt Bezug auf die vie­len Mari­en­dar­stel­lun­gen, die den Desi­gner in New Mexi­co stän­dig umga­ben und es sind zwei zusam­men­pas­sen­de Out­fits, weil er Vater von Zwil­lin­gen ist. The Son of Picas­so fand außer­dem her­aus, dass sein Stamm und eine indi­ge­ne Eth­nie in Japan die­sel­be kom­pli­zier­te Näh­tech­nik ver­wen­den und initi­ier­te dar­auf­hin eine Zusam­men­ar­beit, deren Ergeb­nis die­se Expo­na­te sind. Die glo­ba­le Ver­net­zung Indi­ge­ner ist somit nicht nur im Bezug auf ihren andau­ern­den Kampf um indi­ge­ne Rech­te wich­tig, son­dern offen­sicht­lich auch krea­tiv äußerst anspre­chend und inter­es­sant.

Native American Fashion - Ausstellung im Museum The World Culture Museum, Göteborg, Schweden

Infrared dress — Desi­gner Jon­tay Kahm (Plains Cree); Foto­gra­fin: Bea­tri­ce Törn­ros / The Natio­nal Muse­ums of World Cul­tu­re

India­ner und Feder­schmuck, das passt zusam­men. Das ken­nen wir. Und trotz­dem macht das Out­fit des jun­gen Plains Cree Desi­gner Jon­tay Kahm Gän­se­haut. Er ver­wen­det in sei­nen Kol­lek­tio­nen nicht nur Federn in allen For­men, Grö­ßen und Far­ben, son­dern auch ande­re „klas­sisch india­ni­sche“ Mate­ria­li­en wie Per­len. Kahms Out­fits sind extra­va­gant und volu­mi­nös:

“I play­ed around with the idea of fea­ther dres­ses, bust­les, and rib­bon dres­ses- takin rib­bon skirts and making them rib­bon gowns,” (Kahm: https://www.vogue.com/article/jontay-kahm-indigenous-designer-debut-collection)

Ich mag die inten­si­ven Far­ben und fin­de es geni­al, wie der Desi­gner selbst­be­wusst und extro­ver­tiert mit Kli­schees spielt und sei­nen Wur­zeln fol­gend etwas kom­plett Neu­es und Eigen­stän­di­ges kre­iert.

In die­sem Arti­kel habe ich drei Expo­na­te exem­pla­risch vor­ge­stellt, aber es gibt soviel mehr im Världs­kul­tur­mu­seet zu bewun­dern. Vor allem die Klei­der, die mit roten Bän­dern oder blu­ti­gen Hand­ab­drü­cken auf die Mur­de­red and Miss­ing Indi­ge­nous Women auf­merk­sam machen, berühr­ten mich tief und die Kraft der poli­ti­schen Designs, aber auch ihr Humor, waren beein­dru­ckend.

Aber die­ser Arti­kel soll schließ­lich nicht spoi­lern, son­dern neu­gie­rig machen und zum Besu­chen der Aus­stel­lung moti­vie­ren: Denn es gibt dort noch viel mehr zu ent­de­cken!

Been­den möch­te ich mei­ne Rezen­si­on der Aus­stel­lung „Nati­ve Ame­ri­can Fashion: From Roots to Run­way“ und unse­ren klei­nen Aus­flug in die Welt der indi­ge­nen Modedesigner:innen mit einem Zitat aus der Aus­stel­lung:

„For many of the artists, a major dri­ving force is to show that they still exist.“

Und das gelingt ihnen ein­deu­tig: Die indi­ge­ne Mode­sze­ne ist krea­tiv, viel­fäl­tig, tief mit ihren Wur­zeln ver­bun­den und gleich­zei­tig am Puls der Zeit, frech, inno­va­tiv, wun­der­schön und aus­sa­ge­kräf­tig. Sie ist in mei­nen Augen ein unglaub­lich star­kes und erfolg­rei­ches State­ment für die Leben­dig­keit indi­ge­ner Kul­tur und ich bin froh, dass ich sie ken­nen­ler­nen durf­te. Ich wer­de sie ganz sicher wei­ter­ver­fol­gen und auch wei­ter tra­gen – im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes. 

Moni­ka Gamill­scheg

Plakat der Ausstellung Native American Fashion: From Roots to Runway

NATIVE AMERICAN FASHION

April 11, 2025 — Novem­ber 2, 2026

Världs­kul­tur­mu­seet / The Muse­um of World Cul­tu­re
in Göte­borg, Schwe­den 


Zur Autorin:

Moni­ka Gamill­scheg enga­giert sich seit Herbst 2021 im Arbeits­kreis India­ner Nord­ame­ri­kas. Die stu­dier­te Kul­tur- und Sozi­al­an­thro­po­lo­gin forsch­te für ihre Diplom­ar­beit über die Kunst der First Nati­ons in Van­cou­ver, Kana­da (https://utheses.univie.ac.at/detail/12059#). Sie arbei­te­te u.a. bei der Drei­kö­nigs­ak­ti­on der Katho­li­schen Jung­schar und beschäf­tig­te sich in die­ser Tätig­keit wei­ter­hin mit indi­ge­nen Völ­kern, z.B. auf den Phil­ip­pi­nen. Seit 2018 unter­rich­tet sie als Quer­ein­stei­ge­rin über Teach for Aus­tria an Wie­ner Mit­tel­schu­len.


Fotos:

Infrared dress — Desi­gner Jon­tay Kahm (Plains Cree); mit freund­li­cher Geneh­mi­gung der Foto­gra­fin Bea­tri­ce Törn­ros / The Natio­nal Muse­ums of World Cul­tu­re:
https://www.varldskulturmuseet.se/en/exhibitions/native-american-fashion/ 

Alle ande­ren Fotos: © Moni­ka Gamill­scheg



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